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26.03.2019

Luc Dapples: Neuer Vertreter der Romandie im Verwaltungsrat von BESA Care

Luc Dapples war als Generalsekretär der staatlichen Heime und später als Heimleiter im Kanton Neuenburg tätig. Seit Mai 2018 ist er Heimleiter bei den städtischen Betagtenheimen Biel. Zudem ist er Vorstandsmitglied von CURAVIVA Schweiz und kennt sich auch in politischen Fragen rund um die Finanzierung der Pflege bestens aus.

BESA Care freut sich sehr, dass mit Luc Dapples auch BESA Kunden der Romandie kompetent im Verwaltungsrat vertreten sind. Wir haben Luc Dapples zum Einstieg bei BESA Care einige Fragen gestellt:


BESA Care: Herr Dapples, wieso haben Sie sich dem Verwaltungsrat von BESA Care angeschlossen? Was ist Ihre Aufgabe, was sind Ihre Ziele?

Luc Dapples: Dem VR von BESA Care bin ich als Vertreter des CURAVIVA-Vorstands beigetreten. Da CURAVIVA ein Aktionär bei BESA Care ist, bin ich verpflichtet, darauf zu achten, dass die Interessen des Verbands in diesem VR richtig vertreten sind. Ebenfalls möchte ich einen Bogen zwischen den Anliegen der BESA Kunden und der strategischen Ausrichtung des Unternehmens spannen. Dieses Ziel möchte ich als Bindeglied zwischen BESA Care, CURAVIVA und den Institutionen, die Kunden der einen und zugleich Mitglieder der anderen Organisation sind, erreichen. Schliesslich werde ich die französischsprachigen BESA Kunden vertreten, die trotz ihrer Minderheitsstellung nicht benachteiligt werden sollen.


BESA Care: Sie haben grosse Branchenerfahrung über den Röstigraben hinweg: Was läuft anders in den Alters- und Pflegeinstitutionen in der Romandie? Was kann die Deutschschweiz von der Romandie lernen?

Luc Dapples: Es wäre zu einfach, die Differenz anhand kultureller Klischees zu erläutern. Ja, die Romands sind genussfreudig. Doch die Deutschschweizer sind es in ihrer Art auch, nicht? Nein, die Hauptdifferenzen machen sich aus meiner Sicht auf zwei verschiedenen Ebenen bemerkbar. Die erste ist das Image des Pflegeheims in der Gesellschaft. Für mich ist die Wahrnehmung des Heims als Lebensort in der Romandie stärker. Aus diesem Grund finden hier die Berufe und die Mitarbeitenden in der Pflege höhere Anerkennung. Diese Tatsache führt mich direkt auf die zweite Ebene: Der Begriff der Interdisziplinarität, das vernetzte Arbeiten sowie die Professionalisierung der Unterhaltung und die Integration der Hauswirtschaftsleistungen unter Berücksichtigung der Bewohnerbedürfnisse scheinen mir in der Romandie, ausgeprägter zu sein . Das heisst gar nicht, dass die sozialen und gemeinschaftlichen Dimensionen in der Deutschschweiz vernachlässigt werden. Genau im Gegenteil, die Art und Weise der Umsetzung ist einfach eine andere. Das erklärt vielleicht die Schwierigkeit in der Deutschschweiz, ausgebildete Personen auf EFZ Ebene für Funktionen ausserhalb des Pflegebereichs zu finden. Was für mich ebenso die Frage stellt, und zwar nicht nur in der Heimbranche, sondern auch auf der Behördenebene, ist die Einführung und die Umsetzung des neuen Erwachsenschutzrechts. Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema in der Romandie viel sensibler ist. Schliesslich bin ich der Meinung, dass wir alle voneinander lernen können, und dass die Romands nicht mehr mitzubringen als mitzunehmen haben.


BESA Care: Das Bundesamt für Gesundheit hat Mindestanforderungen an die Bedarfsklärungsinstrumente definiert. Welche Auswirkungen wird dies Ihrer Ansicht nach haben, wie sehen Sie die Zukunft von Plaisir?

Luc Dapples: Bevor ich über Plaisir spreche, ist es für mich wichtig zu erwähnen, dass ich trotz meinem liberalen Denken für eine staatliche Definition der Mindestanforderungen bin. Einerseits muss sichergestellt werden, dass alle Bürger/innen schweizweit eine gerechte Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse haben. Andererseits gilt es, den Fachkräften bzw. den Ausbildungszweigen die Erfüllung dieser Bedürfnisse durch entsprechende und angepasste Massnahmen zu ermöglichen. Wenn wir davon ausgehen, dass jeder das Recht auf hochwertige Pflege hat, muss der Qualitätsbegriff diskutiert und ein Minimalmass akzeptiert werden. Ob es dafür eines oder mehrere Instrumente gibt, ist für mich sekundär, solange diese/s die Anforderungen erfüllen.

Dieses Thema sollte grundsätzlich in einem breiteren Kontext betrachtet werden. Ich als Bürger, protestiere wie die Mehrheit meiner Nachbarn, wenn ich die Krankenkassenrechnung bekomme. Und zwar weniger wegen der regelmässigen Prämienerhöhung, sondern weil ich den Eindruck habe, dass die Politik nicht interveniert. Wie meine Nachbarn aber möchte ich hochwertige Pflege, die nah ist und von der ich profitieren kann, wenn es so weit ist. Eine solche Ansicht ist ein wenig schizophren.
Paradoxerweise bin ich einer der Akteure auf diesem Gebiet und muss in meiner Position so handeln, dass sich die entstehenden Kosten in hochwertigen Pflegeleistungen widerspiegeln, die zur richtigen Zeit bei der richtigen Person erbracht werden. In einem Land wie die Schweiz ist es normal, hohe Pflegequalität anzustreben und die entstehenden Kosten müssen von den Bürgern und dem Staat getragen werden. Eine Vereinbarung von Minimalstandards (oder warum nicht Maximalstandards) ist der Weg, um sicherzustellen, dass die erbrachten Leistungen innerhalb des definierten Rahmens liegen. Aus diesen Gründen tendiere ich eher zur Einführung eines einzigen Bedarfsklärungsinstruments.

Was Plaisir betrifft, habe ich damit viele positive Erfahrungen gemacht. Erstens, weil das Instrument «philosophisch» auf die Bewohnerbedürfnisse und nicht auf die erbrachten Leistungen ausgerichtet ist. Aber auch, weil Plaisir bei der Personaleinsatzplanung besseren Dienst leistet als andere Instrumente. Die Schwächen von Plaisir sind hingegen die Undurchsichtigkeit und die administrative Last. Unabhängig von seinen Vor- und Nachteilen wird Plaisir nur in vier Kantonen eingesetzt. Da der zukünftige Instrumenteneinsatz auch dort in Frage gestellt wird, denke ich, dass das Unternehmen die Pflegelandschaft in der Schweiz in den kommenden Jahren verlassen wird. Das kann ein Schritt in Richtung eines einzigen Instruments oder einer besseren Kalibrierung zwischen den bestehenden sein.

In jedem Fall ist die Situation für die Institutionen und auch für BESA Care sehr interessant.


BESA Care: Sie sind Judo-Trainer mit schwarzem Gurt. Bringen Ihnen diese Kompetenzen auch etwas für Ihre beruflichen Herausforderungen?

Luc Dapples: ((lacht)) Diese Frage zu meiner Zufriedenheit beantworten zu können, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Über den sportlichen Aspekt hinaus betrachtet, ist Judo eine Schule des Lebens. Sie lehrte mich, meine Emotionen zu kontrollieren, meine Energie zu kanalisieren und mein Gegenüber zu respektieren. Judo half mir dabei, Lösungen für komplexe Probleme zu finden, Niederlagen zu akzeptieren sowie die Energien und Dynamiken besser zu verstehen, die eine Situation, Person oder eine Gruppe beeinflussen. Keine Angst zu haben und offen für neue Ideen zu sein. Zusammengefasst deckt sich meine Lebensphilosophie mit der berühmten Judo-Maxime «seiryoku zenyo jita kyoei» (guter Gebrauch der Energie und gemeinsames Gedeihen). Um die Tiefgründigkeit dieser Maxime zu verstehen, sollte Energie in einem weiteren Sinn auslegelegt werden – als Kompetenz, Persönlichkeit, Qualität, Individualität. Und wie das Wort «zenyo» besagt, kann sich eine Persönlichkeit nur dann entfalten, wenn sie MIT und nicht GEGEN die Anderen ist.

 

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